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Das Tier an sich?
Neue wissenschaftliche Perspektiven der Mensch-Tier-Beziehung

     
 

Wissenschaftliche Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing, 08.-09.11.2010

Die Kooperationspartner Stiftung Bündnis Mensch & Tier (München), Institut für Technik Theologie und Naturwissenschaften (LMU/München), Rachel Carson Center (LMU/München) und die Evangelische Akademie Tutzing luden vom 8.-9. November 2010 Geistes- und Naturwissenschaftler zu einem interdisziplinären Austausch an den Starnberger See bei München ein.

Waren bisher in der Tierschutzdebatte Prinzipien, wie Vermeidung von Leid, Schmerzen und Schäden, stilprägend, so stehen inzwischen in Fachkreisen Begriffe, wie Würde der Tiere, Mitgeschöpflichkeit, Integrität und Tierrechte in dem Vordergrund. Der Tierschutz ist nicht mehr allein auf biologische und technische Vorgänge zu reduzieren. Der neue Weg im Tierschutz, wie ihn auch die Stiftung Bündnis Mensch & Tier prägt, möchte ganz gezielt den Menschen mit in das Boot nehmen. Die Verantwortung des Menschen für die in seiner Obhut lebenden Tiere spielt eine große Rolle, seine Beziehungsfähigkeit bildet eine wichtige Basis für einen gelingenden Tierschutz, der neben der Leidvermeidung vor allem auch folgende Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt: Komfortverhalten, positive Emotionen, mentale und soziale Anregungen.

Nicht das Tier ist Ausgangspunkt des Tierschutzes, sondern der Mensch in seiner Humanität. Um den Tieren gerecht zu werden, gilt es, sich dieser Rolle des Menschen reflektiert zu vergewissern.

Programm
Vorträge
Bilder der Tagung
Fazit der Tagung


 
  Vorträge  
 



Programmatische Ortsbestimmung
Dr. Herwig Grimm, Agro- und Tierethiker

Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften, München
Kurztext
Audiomitschnitt abspielen: ca. 22 Minuten






Dr. Carola Otterstedt, Stiftung Bündnis Mensch & Tier, eröffnet die erste Session der Tagung: Die Rolle des Menschen im wissenschaftsbasierten Tierschutz.







Vortrag „Seelose Wesen oder Würden-Träger? Theologische und anthropologische Fundamente der Mensch-Tier-Beziehung“
Prof. Dr. Michael Rosenberger, Moraltheologe

Katholische Privatuniversität Linz
Kurztext
Audiomitschnitt abspielen: ca. 48 Minuten




Vortrag „Menschen und Tiere in einem Boot: Zur biologischen Basis der Beziehungsfähigkeit"
Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Ethologe

Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle Grünau, Universität Wien
Kurztext
Audiomitschnitt abspielen: ca. 51 Minuten




Vortrag „Integrität als tierethisches Kriterium über das Leiden hinaus“

Dr. Kirsten Schmidt, Angewandte Ethikerin

Ruhr-Universität, Bochum
Kurztext
Audiomitschnitt abspielen: ca. 47 Minuten




Vortrag „Tiere im Garten Eden? Die Schweiz als Ort gewürdigter Kreaturen“
Prof. Dr. Beat Sitter-Liver, Praktischer Philosoph

Universität Freiburg und Basel.
Kurztext
Audiomitschnitt abspielen: ca. 44 Minuten




Vortrag „Die feinen Unterschiede: Ein Versuch, die Beziehung von Mensch und Tier zu historisieren“
PD Dr. Frank Uekötter, Geschichtswissenschaftler

Deutsches Museum, Stellvertretender Direktor des Rachel Carson Centers
Kurztext
Audiomitschnitt abspielen: ca. 33 Minuten




Vortrag „Ortsabhängige Ethik? Zu den Widersprüchen und ihre Überwindung in der Mensch-Tier-Beziehung“
Prof. Dr. Peter Kunzmann, Philosoph und Ethiker

Ethik-Zentrum der Universität Jena
Kurztext
Audiomitschnitt abspielen: ca. 34 Minuten


  Bilder der Tagung  
 

(Fotos: Stiftung Bündnis Mensch & Tier, TTN, Claudia Toll)


Tagungsort Evangelische Akademie Tutzing

Tagungsort Evangelische Akademie Tutzing


Gespräche im Foyer, Lektüre am Büchertisch

Gespräche im Foyer, Lektüre am Büchertisch


Begegnung der Doktoranden

Begegnung der Doktoranden


Plenum

Plenum


Diskussion

Diskussion


Workshop: Unversehrtheit als Anspruch: Wahrung der Integrität in der Mensch-Tier-Beziehung

Unversehrtheit als Anspruch: Wahrung der Integrität in der Mensch-Tier-Beziehung (Workshop)
Dr. Kirsten Schmidt, Ethikerin an der Ruhr-Universität Bochum, intensivierte in ihrem Workshop ihre im Vortrag präsentierten Ausführungen zum Begriff der „Integrität“ eines Lebewesens.


Engagierte Workshoparbeit

Engagierte Workshoparbeit


Workshop: Rechte ohne Pflichten? Tiere als Rechtssubjekte

Rechte ohne Pflichten? Tiere als Rechtssubjekte (Workshop)
Dr. Johanna Moritz, Amtstierärztin in Bayern und Dr. Norbert Alzmann, Biologe und Tierethiker aus Tübingen, beschäftigten sich mit ihrer Gruppe mit der Frage der Tiere als Rechtssubjekte.


Workshop: Tiere schreiben Geschichte: Kulturgeschichtliche Perspektiven

Tiere schreiben Geschichte: Kulturgeschichtliche Perspektiven (Workshop)
Die Arbeitsgruppe der Historikerin Dr. Aline Steinbrecher (Universität Zürich) setzte sich mit kulturgeschichtlichen Perspektiven der Mensch-Tier-Beziehung auseinander: Schreiben Tiere Geschichte?


Dr. Herwig Grimm

Essen, streicheln, forschen: Probleme des Theorie-Praxis Transfers in der Ethik (Workshop)
Dr. Herwig Grimm und sein Workshop beschäftigten sich mit den Problemen des Theorie-Praxis Transfers in der (Tier)Ethik.


Abendgespräche in den Salons

Abendgespräche in den Salons


Abendgespräche in den Salons

Abendgespräche in den Salons


Abendgespräche in den Salons

Abendgespräche in den Salons


Pausengespräche im Freien

Pausengespräche im Freien


Pausengespräche im Freien

Pausengespräche im Freien


Markus Luger präsentiert die Workshoparbeit

Würde begreifen: Die Eigenart des Fremden anerkennen (Workshop)
Prof. Dr. Peter Kunzmann, Philosoph am Ethikzentrum in Jena, ging der Frage nach, was unter dem Begriff der „Würde“ eines Tieres zu verstehen ist, welche Schwierigkeiten dieses Konzept mit sich bringt und wie eine mögliche Präzisierung aussehen kann. (Präsentation: Markus Luger, Theologe)


Dr. Kirsten Schmidt

Dr. Kirsten Schmidt, Präsentation der Workshoparbeit


Dr. Johanna Moritz

Dr. Johanna Moritz, Präsentation der Workshoparbeit


Dr. Sonja Hartnack

Dr. Sonja Hartnack, Präsentation der Workshoparbeit
Spannungsfeld Veterinärmedizin: Zielkonflikte und widersprüchliche Erwartungen
Prof. Dr. Thomas Blaha, Veterinärmediziner der Tierärztlichen Hochschule Hannover, und Dr. Sonja Hartnack, Veterinärmedizinerin an der Vetsuisse, arbeiteten mit den Teilnehmern ihres Workshops die Zielkonflikte im Berufsbild des Veterinärmediziners heraus.


Abschlußdiskussion

Abschlußdiskussion: Humanität zwischen Vermenschlichung und Versachlichung? Fundamente einer neuen Mensch-Tier-Beziehung

Auf Einladung von Frau Dr. Carola Otterstedt wurden folgende drei Fragestellungen im Plenum diskutiert:
• Wie wird der Tierschutz der Zukunft aussehen?
• Wie soll die Forschung zur Mensch-Tier-Beziehung sich weiterentwickeln?
• Welche Auswirkungen wird ein verändertes Tierbild auf unser Menschenbild haben?

Ein zentraler Ansatzpunkt für zukünftigen Tierschutz und seine Umsetzung muss es sein, verstärkt die Akteure in den Fokus zu rücken: Der Mensch hat Verantwortung für das Tier – und er hat dies nicht jenseits, sondern in konkreten Situationen. In der Diskussion wurde die prinzipielle Notwendigkeit der Offenheit gegenüber neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen betont, die uns zu neuen Konzeptionen der Mensch-Tier-Beziehung herausfordern: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse müssen wahrgenommen und alte gegebenenfalls revidiert werden. Ziel ist es dabei, über das rein pathozentrische Argument hinauszugehen und zu verstehen, dass Tiere über die Leidensfreiheit hinaus noch andere zentrale Ansprüche aufweisen und an uns richten. Fazit der Tagung: Wer über das Tier an sich nachdenkt, kommt nicht umhin, auch über den Menschen nachzudenken. Dabei ist das Tier das Maß für einen adäquaten menschlichen Umgang mit ihm: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus Natur- und Geisteswissenschaften helfen dabei, genauer zu bestimmen, welche tierlichen Bedürfnisse in einer angemessenen Mensch-Tier-Beziehung eine Rolle spielen und was es heißt, ein Tier in seiner Eigenart zu respektieren.


Plenum

Plenum


 
 
Tagung: Das Tier an sich
 
Dr. Herwig Grimm
 
Dr. Carola Otterstedt
 
Prof. Dr. Michael Rosenberger
 
Prof. Dr. Kurt Kotrschal
 
Dr. Kirsten Schmidt
 
Prof. Dr. Beat Sitter-Liver
 
PD Dr. Frank Uekötter
 
Prof. Dr. Peter Kunzmann